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Willkommen im Detektivbüro!

Manche Musikstücke kennt fast jede und jeder – obwohl sie 200 oder 300 Jahre alt sind. Aber woher kommen diese Hits? Wer hat sie geschrieben, für wen, wo – und warum klingen sie so? Als Musikdetektivin oder Musikdetektiv untersuchst du vier Fälle. Du prüfst Beweisstücke, hörst genau hin, trennst Belege von Legenden und schreibst deinen Fallbericht.

Zuerst: dein Detektiv-Code

Damit deine Ermittlungen nicht verloren gehen, legst du dir einen persönlichen Code an – zum Beispiel mia-6b. Mit demselben Code arbeitest du auf jedem iPad weiter. Merk ihn dir gut!

Die Akten

Fang mit der Detektivschule an. Danach kannst du die Fälle in beliebiger Reihenfolge lösen – ein gelöster Fall bekommt einen roten Stempel.

Hinweis für die Vertretungslehrkraft

Die Einheit ist so gebaut, dass die Kinder allein damit arbeiten können – Musikkenntnisse sind für die Aufsicht nicht nötig.

  • Alle arbeiten am eigenen iPad mit Kopfhörern.
  • Zu Beginn legt jedes Kind einen Code an (Vorname und Klasse, z. B. mia-6b). Die Antworten werden damit automatisch gespeichert.
  • Die Detektivschule dauert etwa 20 Minuten, jeder Fall etwa 30–40 Minuten. Einfach dort weitermachen, wo das Kind zuletzt war.
  • Ein gelöster Fall bekommt einen roten Stempel „GELÖST“, im Reiter oben erscheint ein grüner Haken.
  • Wer vor der Zeit fertig ist, arbeitet am nächsten Fall oder an „Deine Akte“ weiter.

Lehrermodus

Alle Fälle sind offen, alle Lösungen lassen sich einblenden. Die Codes zeigen, wer wie weit ist.

Hörbeispiele ohne YouTube

Liegt eine Datei mit dem angegebenen Namen im Ordner detektive/medien/ auf dem Server, spielt die Seite sie direkt ab – ohne YouTube und ohne Werbung. Erlaubt sind .mp4, .m4v, .webm, .mp3 und .m4a. Fehlt die Datei, bietet die Seite das YouTube-Video an.

AKTE 0 · AUSBILDUNG

Detektivschule

Wie findet man heraus, was vor 300 Jahren wirklich passiert ist?

BESTANDEN

Niemand von damals lebt heute noch

Händel, Vivaldi, Haydn und Beethoven können wir nicht mehr fragen. Was wir über sie wissen, stammt aus Quellen: aus Dingen, die aus ihrer Zeit übrig geblieben sind. Solche Quellen sind deine Beweisstücke.

✉️ Briefe
Die Komponisten schrieben Briefe – an Freunde, Familie, Auftraggeber.
📰 Zeitungsberichte
Schon damals berichteten Zeitungen über Konzerte.
🎼 Noten und Handschriften
Die Handschrift eines Komponisten heißt Autograph. Auf den Noten stehen oft ein Datum, ein Titel oder eine Widmung.
📖 Erinnerungen
Manche Menschen schrieben später auf, was sie erlebt oder gehört hatten – zum Beispiel in einer Biografie.

Die drei Detektivregeln

  1. Wann? Je näher eine Quelle am Ereignis ist, desto verlässlicher ist sie meistens. Ein Zeitungsbericht vom nächsten Tag ist besser als eine Geschichte, die 50 Jahre später aufgeschrieben wurde.
  2. Wer? War die Person selbst dabei? Oder erzählt sie nur weiter, was sie gehört hat?
  3. Passt es zusammen? Wenn mehrere Quellen dasselbe berichten, ist es gut belegt.

Eine Legende ist eine Geschichte, die gern erzählt wird, für die es aber keine sicheren Beweise gibt – oder die den Quellen sogar widerspricht. Und manchmal bleibt ein Fall ungeklärt: Dann fehlen einfach die Beweise.

Deine vier Verdächtigen

Die vier Komponisten lebten zu verschiedenen Zeiten. Die Musikgeschichte teilt diese Zeit in Epochen ein: Händel und Vivaldi gehören zum Barock, Haydn zur Klassik. Beethoven beginnt in der Klassik und öffnet am Ende seines Lebens die Tür zur Romantik.

FALL 1 · LONDON, 17. JULI 1717

Das Konzert auf dem Fluss

Warum spielen in Händels „Wassermusik“ so viele Hörner und Trompeten – und wollte Händel sich mit ihr beim König entschuldigen?

GELÖST

Der Hit

Georg Friedrich Händel: Wassermusik, daraus der Tanz „Alla Hornpipe“. Hör dir das Stück an, bevor du ermittelst. Achte auf die Instrumente!

Steckbrief

Name
Georg Friedrich Händel
Geboren
1685 in Halle (Saale)
Gestorben
1759 in London, begraben in der Westminster Abbey
Epoche
Barock
  • Mit 18 geht er nach Hamburg und spielt dort im Opernorchester.
  • 1706–1710 lebt er in Italien: Florenz, Rom, Neapel, Venedig.
  • 1710 wird er Kapellmeister beim Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover.
  • Er reist nach London – und bleibt dort, obwohl er in Hannover angestellt ist.
  • 1714 wird ausgerechnet sein früherer Dienstherr aus Hannover König von England: Georg I.

Die Beweisstücke

Beweis A Zeitungsbericht · 1717
Am Mittwochabend fuhr der König auf dem Fluss nach Chelsea. Auf einem Boot spielten etwa 50 Instrumente aller Art die schönsten Sinfonien, die Mr. Händel eigens für diesen Anlass komponiert hatte. Sie gefielen Seiner Majestät so gut, dass er sie dreimal wiederholen ließ – auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt.

„The Daily Courant“, London, 19. Juli 1717 – gekürzt und übersetzt.

Beweis B Brief eines Gesandten · 1717
Es spielten Hörner, Trompeten, Querflöten, Blockflöten, Geigen und Bässe.

Friedrich Bonet, der Gesandte des Königs von Preußen in London, berichtete seinem König über die Bootsfahrt – sinngemäß.

Beweis C Erzählung · 1760
Händel hatte den König verärgert, weil er einfach in London geblieben war. Mit der Wassermusik habe er sich heimlich beim König wieder beliebt gemacht – und der König habe ihm verziehen.

Aus der ersten Händel-Biografie von John Mainwaring, erschienen 1760 – ein Jahr nach Händels Tod und 43 Jahre nach der Bootsfahrt. Mainwaring war 1717 noch nicht geboren. (Inhalt zusammengefasst)

Beweis D Notiz aus dem Archiv

Die Abrechnungen des Hofes zeigen: Schon kurz nach seiner Krönung 1714 zahlte König Georg I. Händel regelmäßig Geld – also drei Jahre vor der Wassermusik.

FALL 2 · VENEDIG UND AMSTERDAM, 1725

Das Gedicht in den Noten

Wie kommen Vögel, ein Gewitter und ein bellender Hund in Vivaldis „Frühling“ – und für wen schrieb er so schwere Geigenmusik?

GELÖST

Der Hit

Antonio Vivaldi: Der Frühling aus „Die vier Jahreszeiten“, 1. Satz. Hör zuerst einfach zu.

Steckbrief

Name
Antonio Vivaldi
Geboren
1678 in Venedig
Gestorben
1741 in Wien
Epoche
Barock
Spitzname
„der rote Priester“ – er war Priester und hatte rote Haare
  • Er ist ein berühmter Geiger, einer der besten seiner Zeit.
  • Ab 1703 unterrichtet er am Ospedale della Pietà in Venedig Geige – einem Heim für Waisenmädchen. Die Mädchen bilden ein berühmtes Orchester, für das er viele Konzerte schreibt.
  • Er reist nach Mantua und Rom; seine Noten werden in Amsterdam gedruckt.
  • Am Ende seines Lebens reist er nach Wien. Dort stirbt er 1741 und wird sehr einfach begraben.

Die Beweisstücke

Beweis A Titelblatt · 1725

1725 erscheinen in Amsterdam zwölf Violinkonzerte von Vivaldi als Druck, Opus 8, mit dem Titel „Il cimento dell’armonia e dell’inventione“ – „Der Wettstreit zwischen Harmonie und Erfindung“. Die ersten vier Konzerte sind die vier Jahreszeiten. Gewidmet ist der Druck dem böhmischen Grafen Wenzel von Morzin.

Beweis B Gedicht in den Noten · 1725
Der Frühling ist gekommen, und fröhlich begrüßen ihn die Vögel mit ihrem Gesang. Die Quellen fließen murmelnd im sanften Wind. Dann bedecken schwarze Wolken den Himmel, Blitz und Donner kündigen das Gewitter an. Als es wieder still ist, beginnen die Vögel von Neuem ihr Lied.

Zu jedem Konzert ist ein Gedicht (ein Sonett) mitgedruckt. Buchstaben in den Noten zeigen, welche Zeile zu welcher Stelle gehört. Wer die Gedichte schrieb, ist nicht sicher – vermutlich Vivaldi selbst. (1. Satz, frei übersetzt)

Beweis C Reisebericht · 1739
Die Mädchen singen wie Engel und spielen Geige, Flöte, Orgel, Oboe, Cello und Fagott. Kein Instrument ist so groß, dass es ihnen Angst machen könnte.

Der französische Reisende Charles de Brosses in einem Brief über die Mädchenorchester Venedigs – sinngemäß.

Beweis D Eintrag in den Noten

Im langsamen 2. Satz steht über der Stimme der Bratsche: „Il cane che grida“ – „der Hund, der bellt“. Im Gedicht dazu schläft ein Hirte auf der Wiese, sein Hund wacht neben ihm.

FALL 3 · LONDON, 23. MÄRZ 1792

Der Knall im Konzertsaal

Warum schlägt in Haydns Sinfonie plötzlich das ganze Orchester mit der Pauke zu – wollte er wirklich schlafende Zuhörer wecken?

GELÖST

Der Hit

Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 94 „mit dem Paukenschlag“, 2. Satz (Andante). Im Video siehst du die Musik als bunte Grafik mitlaufen.

Steckbrief

Name
Joseph Haydn
Geboren
1732 in Rohrau (Niederösterreich)
Gestorben
1809 in Wien
Epoche
Klassik
  • Als Kind singt er im Chor des Stephansdoms in Wien.
  • Fast 30 Jahre (1761–1790) leitet er die Musik des Fürsten Esterházy – in Eisenstadt und im Schloss Eszterháza (heute Ungarn). Er schreibt für das Orchester des Fürsten und dessen Gäste.
  • 1790 stirbt der Fürst. Der Konzertveranstalter Johann Peter Salomon holt Haydn nach London (1791–1792 und 1794–1795).
  • In London zahlen die Zuhörer Eintritt – ein ganz anderes Publikum als am Fürstenhof. Die Universität Oxford ernennt ihn zum Ehrendoktor.
  • Auf der Rückreise 1792 trifft er in Bonn einen jungen Musiker: Ludwig van Beethoven. (Merk dir den Namen!)

Die Beweisstücke

Beweis A Konzertkalender · 1792

Am 23. März 1792 spielt das Orchester von Johann Peter Salomon in den Hanover Square Rooms in London zum ersten Mal Haydns neue Sinfonie – die Nummer 94. Die Zuhörer haben Eintrittskarten gekauft.

Beweis B Haydn selbst · aufgeschrieben 1810
Nein – es war mir darum zu tun, das Publikum durch etwas Neues zu überraschen und auf eine glänzende Art aufzutreten, damit mir mein Schüler Pleyel nicht den Rang abläuft.

Haydns Antwort auf die Frage seines Freundes Georg August Griesinger, ob er mit dem Paukenschlag die Engländer habe aufwecken wollen. Griesinger hat Haydns Erzählungen in dessen letzten Lebensjahren aufgeschrieben – sinngemäß.

Beweis C Konzertkalender · 1792

Im selben Winter leitet Ignaz Pleyel – Haydns früherer Schüler – in London eine andere Konzertreihe. Sie beginnt acht Tage vor Salomons Konzerten. Beide Reihen werben um dasselbe Publikum.

Beweis D Eine Geschichte, die bis heute erzählt wird

„In London schliefen die Damen bei langsamer Musik ein. Deshalb baute Haydn den Knall ein – um sie aufzuwecken.“

FALL 4 · WIEN, 27. APRIL 1810

Wer ist Elise?

Beethovens berühmtestes Klavierstück ist einer „Elise“ gewidmet. Aber wer war das? Achtung: Dieser Fall ist bis heute nicht sicher gelöst.

BEARBEITET

Der Hit

Ludwig van Beethoven: Für Elise, ein Klavierstück in a-Moll.

Steckbrief

Name
Ludwig van Beethoven
Geboren
1770 in Bonn (getauft am 17. Dezember)
Gestorben
1827 in Wien
Epoche
Klassik, am Ende Übergang zur Romantik
  • 1792 zieht er von Bonn nach Wien – und nimmt dort Unterricht bei Joseph Haydn.
  • 1796 reist er auf Konzertreise nach Prag, Dresden und Berlin.
  • Ab etwa 1798 hört er immer schlechter; später ist er fast taub – und komponiert trotzdem weiter.
  • 1810 möchte er heiraten. Es kommt aber nicht dazu.

Die Beweisstücke

Beweis A Notenblatt · 1810
Für Elise am 27 April zur Erinnerung von L. v. Bthvn

So stand es laut Ludwig Nohl auf dem handschriftlichen Notenblatt. Nohl fand das Blatt 1865 in München und druckte das Stück 1867 – 40 Jahre nach Beethovens Tod. Das Blatt gehörte damals einer Frau, die es von Therese Malfatti bekommen hatte.

Beweis B Notiz aus dem Archiv

Das Original-Notenblatt ist verschollen. Niemand kann heute noch nachsehen, ob dort wirklich „Elise“ stand – wir haben nur Nohls Abschrift. Beethovens Handschrift war übrigens schwer zu lesen.

Beweis C Brief · 1810

Im Mai 1810 bittet Beethoven einen Freund in Bonn, ihm seinen Taufschein zu schicken – den brauchte man zum Heiraten. Er hoffte damals, Therese Malfatti heiraten zu können. Sie heiratete später einen anderen.

Die Verdächtigen

Forscherinnen und Forscher haben verschiedene Frauen im Verdacht:

Therese Malfatti

junge Frau aus Wien, Beethoven gab ihr Klavierunterricht

Das Notenblatt stammte aus ihrem Besitz, und Beethoven wollte sie 1810 heiraten. Vermutung (seit 1923): Nohl habe „Therese“ falsch gelesen und „Elise“ daraus gemacht.

Elisabeth Röckel

Sängerin, 1810 etwa 17 Jahre alt

Sie war mit Beethoven bekannt und wurde tatsächlich „Elise“ genannt. Der Forscher Klaus Martin Kopitz hält sie seit 2010 für die Gesuchte.

Elise Barensfeld

junge Sängerin aus Regensburg

Die Forscherin Rita Steblin schlug sie 2012 vor. Eine sichere Verbindung zu Beethoven konnte bisher niemand nachweisen.

Die Pinnwand

Jede Detektivin, jeder Detektiv hat eine Pinnwand. Für jeden gelösten Fall zeigt ein roter oder farbiger Faden, wohin der Komponist gereist ist. Die Komponisten waren echte Europäer: Sie lebten, arbeiteten und reisten in vielen Ländern.

AKTE 5 · DEIN EIGENER FALL

Deine Akte

Jetzt ermittelst du selbst: Zuerst schreibst du eine Zeitungsmeldung, dann legst du eine Akte zu einem Hit deiner Wahl an.

ABGEGEBEN

Deine eigene Ermittlung

Such dir einen weiteren Hit der klassischen Musik aus und finde heraus, woher er kommt. Ideen:

🎻 Mozart: Eine kleine Nachtmusik
🥁 Beethoven: 5. Sinfonie („ta-ta-ta-taaa“)
🌊 Smetana: Die Moldau
🩰 Tschaikowsky: Der Nussknacker
🌅 Grieg: Morgenstimmung
🎺 Mouret: Rondeau (Fanfare)

Tipps für die Recherche: Such nach „Werk + Entstehung“ auf Kinderseiten wie klexikon.zum.de oder kinderzeitmaschine.de oder in einem Lexikon. Notier immer, woher deine Information stammt – das ist dein Beweisstück.